Das Patenamt

Bei praktisch jeder Taufe eines Säuglings gibt es Patinnen oder Paten, die von den Eltern für dieses Amt angefragt werden. Oft sind es nahe Angehörige oder liebe Freunde, von denen man sich eine liebevolle Begleitung der Täuflinge ins Leben erhofft.

Aber: Was bedeutet Patin oder Pate sein eigentlich? Woher kommt dieses Amt - und was soll eine Patin bzw. ein Pate für den Täufling tun? Im Lateinischen ist der Pate der "pater spiritualis", das heißt der "geistliche Vater". Später heißt er auch "patrinus". Im Englischen heißen die Patinnen bzw. Paten "godmother" bzw. "godfather" - hier wird ganz klar, dass das Patenamt etwas mit Gott (engl. "God") zu tun hat. Im Deutschen gibt es mancherorts entsprechende Bezeichnungen wie "Gote" oder "Gotti", in denen ebenfalls der Gottesbezug deutlich wird. Im Patenamt geht es also um ein geistliches Amt; und es ist keineswegs bloß eine Formsache.

In der Alten Kirche mussten die Paten zunächst einmal für die Ernsthaftigkeit des Taufwunsches der (erwachsenen) Taufbewerber bürgen. In dieser Funktion hießen sie lateinisch "sponsores". Während der zwei- bis dreijährigen Taufvorbereitung begleiteten die Paten ihre Schützlinge dann seelsorglich und unterwiesen sie im Glauben. Daneben fungierten die Paten auch als Taufgehilfen und stellvertretende Sprecher im Fall einer Kindertaufe.

Paten sind also nicht in erster Linie Geldgeber und Überbringer von Geschenken, sondern sie haben eine andere, weit größere und bedeutsamere Aufgabe: Patinnen und Paten sind Zeugen der Taufe. Patinnen und Paten bekennen mit den Eltern und der Gemeinde stellvertretend für den Säugling oder das Kind den Glauben, in dem es getauft wird. Patinnen und Paten versprechen zusammen mit den Eltern, dafür zu sorgen, dass das Kind im christlichen Glauben erzogen und sich der Bedeutung seiner Taufe bewusst wird. Das geschieht, indem sie u.a.

  • ... für das Kind und mit dem Kind beten
  • ... dem Kind die Bibel nahebringen
  • ... mit dem Kind den (Kinder-) Gottesdienst besuchen und ihm helfen, in der Gemeinde Heimat zu finden
  • ... das Kind an seine Taufe erinnern und es zum Glauben an Jesus einladen.

Gut zu wissen: Das Patenamt ist ein geistliches Amt ohne rechtliche Folgen. Wer möchte, dass sein Kind im Falle des Ablebens beider Eltern zur Patin / zum Paten kommt, sollte das notariell festlegen!